Wirtschaft Harz

Ein Blick auf das Zukunftsgespräch vom 25.09.18

"Die Arbeitswelt steckt voller Nervosität" - Der Mensch will arbeiten, darin wird sich im Kern nichts ändern

Treffend zum Wissenschaftsjahr 2018 "Arbeitswelten der Zukunft" kamen am 25. September 2018 Vertreter aus der Arbeitsmarktforschung und Sozialforschung zum 1. Zukunftsgespräch "Gesellschaft und Arbeitswelt" in Halberstadt zusammen. Im Mittelpunkt der sehr interessanten Veranstaltung stand die Debatte um die Gestaltung eines zukunftsfähigen, inklusiven und dynamischen Arbeitsmarktes im Zeitalter der Digitalisierung. "Es soll bewusst eine Diskussion in Gang gesetzt werden, die keinen technokratischen Blick hat, sondern eine soziologische Betrachtungsweise vornimmt, um somit allen Facetten der Gesellschaft gerecht zu werden", so Dirk Michelmann, Fachbereichsleiter Strategie und Steuerung, Landkreis Harz.

Die Teilnehmer, zahlreiche Vertreter aus Bildung, Erziehung, Handwerk, Pflege und Industrie folgten interessiert den Impulsvorträgen von Fachreferenten und beteiligten sich ebenso an der lebhaften Diskussion "Ich arbeite also bin ich? Ist Arbeit alles bzw. ohne Arbeit alles nichts ...". An der Podiumsdiskussion nahmen neben den Referentinnen auch Experten und Expertinnen aus dem Arbeitsmarktministerium und der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit und dem Deutschen Gewerkschaftsbund teil.

Christina Schildmann von der Hans-Böckler-Stiftung und Referentin an dem Abend zum Thema "Arbeitswelt der Zukunft", stellte zunächst fiktionale Sichtweisen vor, die junge Menschen im Rahmen eines Schreibwettbewerbs "Future Jobs" skizziert haben. Hierbei wurde deutlich, dass die jungen Menschen davon ausgehen, dass zukünftig die künstliche Intelligenz den Menschen als Arbeitskraft ersetzt.

Ist dies aber tatsächlich unser Blick in die Arbeitswelt von morgen? Oder zeugt dies nicht doch davon, dass derzeit wenig Gestaltungsfantasie in unserer Arbeitswelt besteht? Tatsächlich wird durch die Digitalisierung eine Transformation der Arbeit stattfinden. Diese wird vielgestaltig sein, aber keine Revolution im Sinne viel beschriebener Extremszenarien. Jedoch müssen die bestehenden Kräfte gebündelt werden, um sich den vielfältigen Herausforderungen der Digitalisierung stellen zu können.

In Verbindung zu dieser Thematik steht die Gesellschaft auch vor der Herausforderung Langzeitarbeitslosigkeit. Wo bleiben diese Menschen, wenn durch die Digitalisierung neue Beschäftigungsformen entstehen? Kann ein sozialer Arbeitsmarkt oder das bedingungslose Grundeinkommen eine Antwort darauf sein? Hierzu informierte Sabine Böttcher vom Zentrum für Sozialforschung Halle e. V. in ihrem Referat "Langzeitarbeitslosigkeit in unserer Gesellschaft". Neben der Darstellung von spezifischen Perspektiven auf Teilhabe(chancen) am Erwerbsleben wird deutlich, dass der Staat sich Langzeitarbeitslosigkeit nicht leisten kann. Einer neuen strukturellen Arbeitslosigkeit durch die Digitalisierung muss durch gezielte Maßnahmen im Rahmen von Bildung und Weiterbildung frühzeitig entgegengewirkt werden.

"Der Mensch möchte und will arbeiten, daran wird sich im Kern nichts ändern", so Kay Senius von der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit in der abschließenden Podiumsdiskussion. Christina Schildmann von der Hans-Böckler-Stiftung ergänzt dahingehend: "Für die zukünftigen Generationen bleibt das Thema Arbeit zentral. Es wird weiterhin sinnstiftendes und wichtiges Element im Leben des Menschen bleiben."

Die Expertisen aus der Arbeitsmarkt- und Sozialforschung zeigen auch auf, dass in Zukunft die Arbeit noch individueller wird, es wird mehr Wahlmöglichkeiten geben. Daher müssen Antworten darauf gefunden werden, wie der "Digitalisierung nicht mit Ängsten begegnet wird, sondern wie dadurch Chancen für unsere Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitswelt aufgezeigt werden können", so Katrin Skrilo, Geschäftsführerin der DGB Region Altmark-Börde-Harz.

Am Ende der Veranstaltung wird deutlich, dass die Thematik, um die soziale Entwicklung der Gesellschaft vielschichtig ist. Prägende Aspekte sind nicht nur die Digitalisierung, sondern auch die Feminisierung, Demographie und die Wertveränderung der Arbeit. Die Betrachtung und die Verwebung der Digitalisierung unter diesen Aspekten und der damit einhergehende Wandel der Gesellschaft bleiben bedeutend für die Arbeitswelt, darin waren sich die Kooperationspartner der Veranstaltung einig. Bei den anstehenden technischen Innovationen, die soziale Entwicklung weiterführend mitzudenken, niemanden bei diesen Prozessen zu verlieren und jedem Menschen den Arbeitsmarkt zugänglich zu machen - das ist die Herausforderung der nächsten Jahre. Daher ist eine weiterführende Debatte, wie Chancengleichheit in der Gesellschaft trotz Digitalisierung ermöglicht werden kann weiterhin von hoher Priorität in der Gesellschaft sowie in der Wirtschaft. Die vielschichtigen Ansätze, die sich zum Thema Digitalisierung entwickeln, werden weiterführend durch die Akteure der Arbeits-, Sozial- und Wirtschaftspolitik im Rahmen des Regionalen Arbeitskreises Arbeitsmarkt erörtert. Daraus resultierende Maßnahmen und Fragestellungen sollen im Rahmen von weiterführenden Veranstaltungsserien unter dem Leitthema "Gesellschaft und Arbeitswelt" präsentiert werden.

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Veranstaltungsdokumentation | 1. Zukunftsgespräch vom 25.09.18
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